100 Tage Journalismus 2.0

Dieses Blog hier wird heute 100 Tage alt, und weil Kalenderblattblogging das nächste große Ding ist und ich ohnehin gerade das übliche 3-Monats-Motivationstal durchwandere, hier mal ein bißchen selbstreferentielle Nabelschau - erstmal mit Futter für die Statistikfreunde:

  • 70 Beiträge, 228 Kommentare (meine eigenen nicht herausgerechnet) insgesamt.
  • 7.840 Besucher haben vorbeigeschaut und 14.000 Page Impressions “generiert” (gerundet, bis einschließlich gestern).
  • 725 Spam-Kommentare hat Akismet gefressen. Hat eine ganze Weile gedauert, bis die kamen. Ich glaube, nach einem Link von wirres.net ging es los …
  • 81 Blogs linken laut Technorati hierher.
  • Der meistgelesene Artikel ist “Die FAS experimentiert weiter” mit 1225 Aufrufen, dicht gefolgt von meinem Vanity-Fair-Verriß mit 1223 Aufrufen, der übrigens mein persönlicher Lieblingsartikel ist, zusammen mit der Zusammenfassung vom Münchner DLD.

So, hätten wir das. Ich tue nicht so, als wäre es mir völlig schnuppe, wieviele Leute hier am Tag aufschlagen. Ich freue mich, wenn mein Blog gelesen wird, und ich habe mich gefreut, als Onkel Brumm mich gleich am ersten Tag vom Zeit-Meckerblog aus verlinkt hat, das war eine schöne Einweihung. Trotzdem waren Zugriffsstatistiken nicht die maßgebliche Motivation, dieses Blog zu starten.

Warum und zu welchem Ende schreibe ich ein Blog?

1. Wißbegierde: Das Bloggen interessiert mich - die Vernetzungseffekte, die Themenkarrieren, die Blogosphären. Und deshalb interessieren mich auch meine Statistiken und Referrer - Linkgeilheit könnte ich also ggf. immer noch mit akademischem Interesse entschuldigen. Außerdem, natürlich: Mein Thema interessiert mich. Das Ablegen von Links bei del.icio.us hilft allerdings wenig dabei, es zu strukturieren. Ich tagge dort wie ein Blöder, aber ich habe schon immer nur dann Dinge behalten, wenn ich sie mal aufgeschrieben habe. Das Blog ist also ein Trick, es zwingt mich, am Thema dranzubleiben. Das klappt mal besser, mal schlechter, und am besten klappt es mit längeren Beiträgen - von denen ich zuwenige schreibe.

2. Spaß: Ja, es macht Spaß. Es hat schon Spaß gemacht, als ich unter Ausschluß der Öffentlichkeit bei einem der Blogprovider “testgebloggt” habe, und es hat auch Spaß bei germanblogs gemacht, obwohl man dort doch in ziemlicher Distanz geschrieben hat, weil die direkten Effekte - Besucher, Kommentare, Kontakte - arg gebremst ankamen. Und hier wie auch bei imgriff.com drüben macht’s bis jetzt am meisten Spaß, auch wegen der

3. Kontakte: Auf der re:publica drückte man das so aus: Das Blog sei Teil des persönlichen und auch beruflichen Portfolios. Stimmt, nicht nur, aber auch. In professioneller Hinsicht bedeutet das: Ich habe hier das zweihundertsiebenundfünfzigste deutsche Medienblog gestartet, und es wird trotzdem gelesen, und ich werde trotzdem zur Sneak Preview der neuen Welt.de eingeladen, und ich bekomme trotzdem Mails von Leuten, von denen ich ohne das Blog keine Mails bekommen hätte, und es kommt trotzdem der Kontakt zu den Kollegen von Blogwerk zustande, der schließlich in imgriff.com mündet. Das ist das eine. Das andere, vielleicht wichtigere, ist dieser Effekt, den man früher hatte, wenn jemand sagte: “Öäh, du warst auch ‘97 in Ollerbach auf dem Luft-und-Gitarre-Festival? Beim The-Hardknocks-Auftritt in der ersten Reihe Mitte rechts? Ich war da auch, Mann!” Heute ist das eben “Ah ja, ich glaub, Dich hab ich auch mal neulich getrackbackt”, und das mag bescheuert klingen, ist aber irgendwie trotzdem dasselbe.

Also: Alles super hier. Bis auf die paar

Sachen, die nicht funktioniert haben

1. Die Medienwoche ist gescheitert. Hätte ich vorher wissen können, weil ich mich schon für die Musikwoche damals bei germanblogs so oft gequält habe. Die Idee halte ich weiterhin für gut, aber sie kostet zuviel Zeit. Eine Medienwoche zu schreiben dauert vier oder fünf Stunden, am Sonntag, und egal ob es daran liegt, daß ich unter der Woche nicht effizient genug per del.icio.us o.ä. vorbereite, daß ich beim Durchgehen der Links mich ständig wieder festlese, oder daß ich zu lange an Übergängen und ähnlichem feile - fünf Stunden am Sonntag sind zu lange dafür. Bis auf Weiteres also: Kategorie “Medienwoche” stillgelegt.

2. Meine Baustellen. Als ich den Eintrag mit den Punkten, die ich noch ändern wollte, am 12.01. geschrieben habe, rechnete ich damit, daß sie in ca. 4 Wochen alle erledigt sein würden. Kein einziger ist bis heute erledigt. Vor allem habe ich noch immer keinen vernünftigen Header.

3. Die Kategorien. Ich wollte Meta-Kategorien und inhaltliche Tags, aber Tags halte ich mittlerweile nicht mehr für eine sehr sinnvolle Navigation - jedenfalls nicht, wenn man so taggt wie ich, nämlich gerne mal mit 30 Tags für einen Artikel. Ohne Tags aber sind Kategorien wie “Kürzeres” und “Längeres” wenig hilfreich. Mal sehen, ob/wie ich das ändere.

4. Der Name. “Journalismus 2.0″, der Arbeitstitel, aus dem dann nichts besseres wurde. “Ist das was von Turi?”, hat jemand auf der re:publica gefragt, und spätestens deshalb heißt das Ding hier ab morgen: j20. Auch nicht super, aber besser is das.

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7 Kommentare zu “100 Tage Journalismus 2.0”

  1. cdv!

    Sorry, wenn Du schon einige unvollständige Kommenare von mir hast; mußte mal eben die Nachbarskatze von der Tastatur verscheuchen. Jetzt also: Glückwunsch! 100 Tage? Alle Achtung! Bin erst vor einigen Tagen hier aufgeschlagen, und habe dann gelesen, gelesen, gelesen… Etwas Neid schwingt schon mit, denn auch mein Blog existiert seit etwa 100 Tagen. Immerhin: Ein Zehntel der Zugriffe, nicht annähernd so viele Einträge, immerhin gibt es schon einen Kommentar. Die anfängliche Begeisterung für das Bloggen hatte nicht eingeplant, dass es recht zeitaufwändig ist. Kurz gefragt also: Wieviel Zeit geht für das Bloggen drauf, damit es am Ende dieses gute Ergebnis hat? Gruß cdv!

  2. Peter Turi

    Tja, sorry tut mir leid. Weiß auch nicht, warum ich immer in Verdacht gerate. Immerhin gehört Medien 2.0 ja Dirk Manthey und nicht mir. ;-)

  3. Florian Treiß

    Glückwunsch auch von mir und alle Achtung, wie schnell Deine “digitale Reputation”, wie Medienwissenschaftler sagen würden, gestiegen ist. :) Ist echt für einen Newcomer nicht leicht, in 100 Tagen 81 Verweise bei Technorati aufzutreiben - bei mir sind’s erst 13, obwohl ich schon über 100 Tage blogge. :) Vielleicht sollte ich auch noch monothematischer schreiben, was ja wohl sehr gut ankommt. :)

  4. massenpublikum

    Herlichen Glückwunsch auch von mir. Ich hatte auch irgendwie das Gefühl, dass Du viel länger dabei bist. Jedenfalls schreibst Du sehr routiniert, und das soll ein Lob sein.

    81 Verweise in 100 Tagen, das ist schon respektabel. Ich komme auf etwas über 40 in 75 Tagen. Weiter so!

  5. Alex

    Hi Florian,
    auch von mir herzlichen Glückwunsch. Ich hatte Deinen Blog vor einigen Wochen “wiedergefunden” (nachdem ich ja eigentlich schon seit der DLD davon wusste), seitdem im Feed und lese immer wieder gerne rein. Gratulation zum Erfolg und weiterhin viel Spaß hier…

  6. Florian

    Danke, danke!

    cdv!: Schwer zu sagen und je nachdem, ob man das Lesen anderer Blogs dazurechnet oder nicht. Was die Einträge angeht: Ein kurzer ist auch mal in vier Minuten geschrieben, längeres braucht vielleicht 30 bis 45 Minuten. Ehrlich, ich weiß es nicht genau.

  7. Thomas Mrazek

    Sehr konsequent, den Namen aus dem genannten Grund zu ändern. ((-;

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