Die Medienwoche (1)

Von jetzt an jeden Sonntag (manchmal sicher auch erst am Montag): Die Medienwoche. Ähnlich, wie es Medienrauschen, Medienlese, die Netzeitung (Altpapier) und das Jonet-Medienlog so schön machen, nur wöchentlich und mit einem etwas anderen Fokus.

Am ersten Tag des neuen Jahres gab’s ein altes Problem: Eine Zeitung machte ihr Onlineforum wegen untragbarer Beiträge dicht - in diesem Fall war der österreichische Standard die Zeitung und die Einträge behandelten pietätlos den Tod der Innenministerin Liese Prokop. Und am ersten Tag des neuen Jahres gab’s auch eine alte Erkenntnis: Das Publikum wolle die Angebote von Fernsehsendern “zunehmend zeitsouverän und ortsunabhängig nutzen”, hat der seit Jahresbeginn amtierende neue ARD-Vorsitzende Fritz Raff (vom Saarländischen Rundfunk) bemerkt. Die Digitalisierung sei deshalb ein Schwerpunktthema seiner Amtszeit.

Außerdem: Das Wall Street Journal hat sich liften lassen, wurde ein bißchen kleiner, ein bißchen bunter, und ein bißchen “web first”. Google dagegen verkündete erfolgreiche Schritte Richtung Offline-Werbemarkt. Und natürlich: Das “Sturmgeschütz” wurde 60. Alle gratulieren, mal mehr, mal weniger herzlich. Die taz hat ein Dossier daraus gemacht. Spiegel Online, das kürzlich eine zweistellige Umsatzrendite bekanntgeben konnte, beschwört die Zukunft der Zeitung im Internet, und dabei lernen wir einen schönen neuen Begriff: Mojos (mobile journalists). Die Zeitschrift Emma wurde unterdessen etwas unbemerkter 30 und der KiKa 10.

Holtzbrinck ist jahrzehntelange Erfahrung offenbar derzeit nicht so wichtig, die Verlagsgruppe gab jedenfalls für das knapp 15 Monate alte StudiVZ irgendwas zwischen 50 und 100 Millionen Euro aus (85 Millionen, sagt die FTD).

Die Holtzbrinck-Tochter ZEIT Online schaffte es, über den Kauf zu berichten, ohne die zahlreichen Vorwürfe der letzten zwei Monate auch nur einmal zu erwähnen - Mail an Onkel Brumm ist raus. Alexander Hüsing gab passenderweise bereits einen Tag vorher einen Überblick über die Internet-Beteiligungen der Verlagsgruppe Holtzbrinck.

Der bereits leicht verweste Kampf “Blogger versus Journalisten” scheint Anfang 2007 eher ein Kampf der Vertreter klassischer Medien gegen die des Internet zu sein, etwa bei Stefan gegen Stefan (Runde 1, Runde 2) oder Thomas gegen Tagesthemen. Beide Auslöser drehten sich um die Bilder von Saddam Husseins Hinrichtung. Das Blog der Tagesschau, in dem seit dem 2. Januar die Chefredakteure von ARD-aktuell bloggen, hat die interne Diskussion darüber, was man zeigen darf und soll, transparent gemacht. Sowohl im Fall Saddam als auch bei dem vermißten Felix von Q. Es könnte eines der besten Beispiele für Redaktionsblogs werden, wenn sie so weitermachen.

Ob die Vanity Fair, die am 8. Februar zum ersten Mal in Deutschland erscheinen wird, ein gutes Beispiel für Magazinjournalismus wird, bezweifeln einige. Nun haben auch noch ein paar Redakteure das Blatt verlassen. “Business as usual”, sagte Chefredakteur Poschardt zur Welt. Zulauf hat dagegen MySpace. Die deutsche Version kann nach eigenen Angaben täglich 4000 neue Mitglieder verzeichnen.

Und was die Zukunft angeht: Die “weltweit erste E-Paper-Fabrik” wird sich in Dresden ansiedeln und soll von 2008 an biegsames, handliches, elektronisches Papier herstellen. Auf dem schauen wir uns dann möglicherweise das gerade gestartete Daylife.com an, das laut Thomas Knüwer zumindest der Anfang der Zukunft der Nachrichten im Internet ist.

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2 Kommentare zu “Die Medienwoche (1)”

  1. Ronnie Grob

    Feed ist abonniert, wir sind gespannt. Guten Start! :-)

  2. Die Zeit - Meckern » Miserabler Bericht über StudiVZ

    […] Ich bin sehr bestürzt über diesen Artikel. Ich frage mich, wie es möglich ist, dass er auf der Site der ZEIT online erschienen ist. Ganz grossen Dank an Florian Steglich, der mich darauf aufmerksam machte, er erwähnt es auch in seinem Blog Journalismus 2.0. […]

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